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Der mutigste Schritt meines Lebens

 

Im Jahr 1996 begann meine Reise bei ISS. Mit bescheidenen Deutschkenntnissen ging ich zum Vorstellungsgespräch und verspürte dabei mehr Angst als Zuversicht. In der Aufnahmeabteilung empfingen mich zwei Damen mittleren Alters. Ich saß verängstigt und verwirrt auf einem Stuhl und fragte mich, ob ich alles verstehen würde, was sie mich fragen. Ich erinnere mich noch, dass ich nervös meine Hände knetete, während sie mich neugierig musterten und dann stumm einen Blick wechselten, fast so, als wäre ich aus einer fernen Welt gekommen.
Aber dann bekam ich die Stelle.

 

Der Morgen meines ersten Arbeitstags war sonnig und klar, als wollte selbst der Himmel mir Mut zusprechen. Doch ein Blick auf die Uhr ließ mich zusammenzucken: Ich hatte verschlafen. Zum Glück war meine neue Arbeitsstelle ganz in der Nähe und ich konnte in kürzester Zeit dort sein. Empfangen wurde ich von einer Frau, die ein bisschen älter war als ich. Sie schien überrascht, dass ich schon da war, schenkte mir aber ein warmes Lächeln. In diesem Moment wusste ich: Alles wird gut.

 

Unser Arbeitsplatz war eine große Fabrik. Meine erste Aufgabe war es, die Büros zu reinigen, danach half ich in der Küche mit. Ich war jung und unerfahren, aber voller Energie. Nichts erschien mir zu schwer, auch wenn mich zwischendurch meine Ungeschicklichkeit einholte. Es gab viel Neues zu lernen. Als ich an meinem ersten Tag einen Sack voller Zwiebeln sah, fragte ich einen Kollegen, wie viel Stück ich schälen solle. Er lächelte und sagte nur: »Alle.«

Stevic Silvia
Vorarbeiterin
ISS Österreich
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In dem Augenblick dachte ich mir: Gut, damit werde ich jetzt wohl die Nacht verbringen. Aber ich arbeitete hastig, die Augen brannten und tränten, die Zwiebeln glitten mir aus den Händen, das Messer rutschte mir immer wieder aus. Ich hatte das Gefühl, dass ich kaum eine Handvoll schaffen konnte. Aber zum Glück kamen mir ein paar nette Kolleg:innen zu Hilfe und gemeinsam ging es dann sehr schnell. 

 

Am nächsten Tag schickte man mich dann zum Geschirrspülen. Mit bester Absicht stapelte ich einen großen Haufen Teller, doch ich verfehlte das Beförderungsband knapp. Im nächsten Moment stand ich erstarrt vor einem großen Haufen Scherben. In der ansonsten geschäftigen Küche wurde es mit einem Mal ganz still, ich spürte, wie sich alle Blicke auf mich richteten, mein Gesicht brannte vor Scham. Ich brachte nicht mehr zustande, als leise zu flüstern: »Ups … Entschuldigung.«

 

Ich war sicher, dass das mein Ende sein würde. Sofort ging ich zu meiner Chefin, der Frau, die mich eingestellt hatte, und erzählte ihr alles. Doch sie hörte mir geduldig und ruhig zu, und da merkte ich, dass sie mir noch eine zweite Chance geben würde. Von dieser Frau habe ich im Laufe der Zeit so viel gelernt. Über die Jahre wurde sie für mich weit mehr als nur eine Vorgesetzte, sie wurde eine Freundin fürs Leben. 

 

Zurück zu meinen ersten Tagen. Trotz des Vorfalls mit den Tellern rief man mich wieder in die Küche. Da wartete schon die nächste Herausforderung auf mich: die Suppe. Ich brachte es tatsächlich fertig, dreißig Liter Suppe zu verderben. Doch wieder wurde niemand laut, niemand war böse. Der Küchenchef sagte nur: »Macht nichts.« Dieser einfache Satz schenkte mir mehr Mut als alles andere.

 

 

"Und es wurde leichter. Mit der Zeit wuchs ich, lernte, gewann Sicherheit, fiel hin und stand wieder auf."

Es gab Höhen und Tiefen, Schritte nach vorn und Momente des Stolperns. Doch gerade durch diese anfängliche Ungeschicklichkeit und meine Ängste ist mir mein ehrlicher Wille bis heute geblieben, und ich weiß, dass dieser Beginn bei ISS trotz aller Unsicherheit der mutigste Anfang meines neuen Lebens war. 

Über die Autorin

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Stevic Silvia

Vorarbeiterin

Seit 1996 steht Silvia Stevic für ISS Österreich im Einsatz. Als Vorarbeiterin koordiniert sie  Teamabläufe und unterstützt die tägliche Arbeit vor Ort. Ihr Mut, ihre Lernbereitschaft  und ihr Weg von einem Start mit wenig Deutsch hin zu einer verantwortungsvollen Führungsrolle machen ihre Geschichte besonders.