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Momente, die bleiben

 

Ich bin Elektriker – und das schon mein ganzes Berufsleben lang. Ein Job, der mich fordert, weil kein Tag dem anderen gleicht. Meine Aufgaben sind vielfältig, ich bin ständig auf den Beinen, immer dort, wo gerade etwas nicht funktioniert. Im Störungsdienst gehört es dazu, permanent erreichbar zu sein, nicht selten gehen bis zu 200 Anrufe am Tag bei mir ein. Vieles läuft routiniert, Handgriff für Handgriff sitzt. Doch es gibt diese Momente, in denen trotz all der Routine plötzlich der Puls steigt und man einen ordentlichen Adrenalinschub bekommt. Genau von solchen Momenten möchte ich erzählen, und von einem ganz besonderen Kollegen, der in meinem Berufsleben eine außergewöhnliche Rolle gespielt hat.

 

Doch zuerst zu den Geschichten: Eines Tages wurde ich wie so oft zu den Aufzügen gerufen. Ich bekam die Nachricht, dass eine Frau im Aufzug eingeschlossen war. Die regulären Einsatzkräfte hatten alles versucht, kamen aber nicht weiter. Ich eilte hinauf in das oberste Stockwerk und sprach dort ruhig mit der Dame. Sie war völlig verängstigt und ich bemühte mich um einen beruhigenden Tonfall: »Hallo, ich bin der Peter. Ich hol dich da raus, du brauchst keine Angst zu haben!« Sie schluchzte leise, kauerte auf dem Boden und zitterte am ganzen Körper. Wenn Menschen in Aufzügen eingeschlossen sind, bekommen sie oft Panikattacken und Angstzustände. Sie fürchten, dass der Aufzug mit ihnen abstürzen könnte oder Ähnliches. Also ging ich rasch ans Werk.

 

Ich adjustierte die Maschinen, dann öffnete ich die Aufzugtür und holte die Frau behutsam heraus. Sie war sehr erleichtert und bedankte sich überschwänglich bei mir. Bis heute fährt sie nur dann mit dem Aufzug, wenn sie weiß, dass ich im Haus bin. Solche Momente zeigen mir immer wieder, dass es bei meinem Beruf als Elektriker um viel mehr geht als nur um die Technik.

 

Aumann Peter
Gebäudetechniker
ISS Österreich
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Nicht lange danach wurde ich erneut zum Aufzug gerufen. Es ging um einen Einsatz, bei dem Schnelligkeit und Präzision gefragt waren: Ein sensibles pharmazeutisches Produkt befand sich in der Kabine, doch der Aufzug war stecken geblieben. Wenn es die Kabine nicht rechtzeitig verließ, würde es wegen der fehlenden Kühlung unbrauchbar werden. Und das hätte große Auswirkungen: Das Produkt war besonders wertvoll, ein Millionenschaden drohte. Als ich ankam, war die Stimmung angespannt, alle waren nervös und wussten nicht, was zu tun war, es blieben uns nur Minuten. Ich eilte in den Maschinenraum, prüfte die Hydraulik und justierte sie so präzise, dass das Produkt in weiterer Folge aus der Kabine geholt werden konnte – und zwar nur knapp zwei Minuten, bevor es zu spät gewesen wäre. Es war ein kleiner, aber entscheidender Moment. Ich freute mich über die Schulterklopfer und die Wertschätzung meiner Kolleg:innen: »Danke, Peter!« Zwei Tage später hielt ich dann meine erste Apple-Auszeichnung in den Händen. Ich erinnere mich noch genau an den Stolz, aber auch an die Erleichterung, dass alles gut gegangen war.

"Solche Momente zeigen mir immer wieder, dass es bei meinem Beruf als Elektriker um viel mehr geht als nur um die Technik."

Und wie eingangs schon erwähnt, möchte ich gerne noch von Kaan erzählen, meinem Lehrling. Als wir uns kennenlernten, war er ein sehr zurückhaltender und schüchterner Teenager. Er war vorsichtig und oft auch unsicher. Gleich beim ersten Einsatz verursachte er einen Kurzschluss, was ihn sehr entmutigte. Doch ich übernahm die Verantwortung, kontaktierte den zuständigen Kollegen und bat ihn, die ausgelöste Sicherung wieder einzuschalten. Von diesem Moment an wuchs unser gegenseitiges Vertrauen Stück für Stück. Kaan entwickelte sich zu einem hervorragenden Elektriker, übernahm immer mehr Verantwortung und wurde schließlich zum Lehrling des Jahres gekürt. Heute arbeitet er als technischer Betriebsführer im Ersatzteilmanagement bei ISS. Ich platzte damals fast vor Stolz und war sehr glücklich, dass auch ich einen Teil dazu hatte beitragen können. Über die Jahre wurde aus uns nicht nur ein Team, wir entwickelten uns auch gemeinsam weiter. Und mit der Zeit übernahm Kaan sogar ein paar meiner Sprachgewohnheiten. Zum perfekten Wienerisch fehlt ihm noch ein bisschen, aber er ist auf dem besten Weg!

 

In diesem Jahr gehe ich in Pension – doch noch stehe ich mitten im Job und habe einiges vor. Ich führe gerne meine Einsätze aus, beobachte, helfe, erkläre, zeige kleine Tricks und lerne dabei selbst immer wieder etwas Neues. So war es mein ganzes Berufsleben lang. 

 

Da bleibt mir, mit einem Augenzwinkern, nur noch eines zu sagen: Ein Elektriker, der lebend in Pension geht, der war entweder nie richtig im Einsatz – oder er war wirklich gut.

Über den Autor

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Aumann Peter

Gebäudetechniker

Seit 2017 verstärkt Peter Aumann die Gebäudetechnik bei ISS Österreich. Als Elektriker aus Leidenschaft unterstützt er den technischen Betrieb und die laufende Betreuung von Kundenobjekten mit viel Erfahrung, Ruhe und Präzision. Sein verantwortungsvolles Handeln zeigte sich besonders, als er eingeschlossene Personen sicher aus Aufzügen befreite. Auch in der Ausbildung junger Talente leistet er einen wichtigen Beitrag und begleitete bereits mehrere Lehrlinge, darunter Kaan, auf ihrem Weg.