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Nicht lange danach wurde ich erneut zum Aufzug gerufen. Es ging um einen Einsatz, bei dem Schnelligkeit und Präzision gefragt waren: Ein sensibles pharmazeutisches Produkt befand sich in der Kabine, doch der Aufzug war stecken geblieben. Wenn es die Kabine nicht rechtzeitig verließ, würde es wegen der fehlenden Kühlung unbrauchbar werden. Und das hätte große Auswirkungen: Das Produkt war besonders wertvoll, ein Millionenschaden drohte. Als ich ankam, war die Stimmung angespannt, alle waren nervös und wussten nicht, was zu tun war, es blieben uns nur Minuten. Ich eilte in den Maschinenraum, prüfte die Hydraulik und justierte sie so präzise, dass das Produkt in weiterer Folge aus der Kabine geholt werden konnte – und zwar nur knapp zwei Minuten, bevor es zu spät gewesen wäre. Es war ein kleiner, aber entscheidender Moment. Ich freute mich über die Schulterklopfer und die Wertschätzung meiner Kolleg:innen: »Danke, Peter!« Zwei Tage später hielt ich dann meine erste Apple-Auszeichnung in den Händen. Ich erinnere mich noch genau an den Stolz, aber auch an die Erleichterung, dass alles gut gegangen war.
Und wie eingangs schon erwähnt, möchte ich gerne noch von Kaan erzählen, meinem Lehrling. Als wir uns kennenlernten, war er ein sehr zurückhaltender und schüchterner Teenager. Er war vorsichtig und oft auch unsicher. Gleich beim ersten Einsatz verursachte er einen Kurzschluss, was ihn sehr entmutigte. Doch ich übernahm die Verantwortung, kontaktierte den zuständigen Kollegen und bat ihn, die ausgelöste Sicherung wieder einzuschalten. Von diesem Moment an wuchs unser gegenseitiges Vertrauen Stück für Stück. Kaan entwickelte sich zu einem hervorragenden Elektriker, übernahm immer mehr Verantwortung und wurde schließlich zum Lehrling des Jahres gekürt. Heute arbeitet er als technischer Betriebsführer im Ersatzteilmanagement bei ISS. Ich platzte damals fast vor Stolz und war sehr glücklich, dass auch ich einen Teil dazu hatte beitragen können. Über die Jahre wurde aus uns nicht nur ein Team, wir entwickelten uns auch gemeinsam weiter. Und mit der Zeit übernahm Kaan sogar ein paar meiner Sprachgewohnheiten. Zum perfekten Wienerisch fehlt ihm noch ein bisschen, aber er ist auf dem besten Weg!
In diesem Jahr gehe ich in Pension – doch noch stehe ich mitten im Job und habe einiges vor. Ich führe gerne meine Einsätze aus, beobachte, helfe, erkläre, zeige kleine Tricks und lerne dabei selbst immer wieder etwas Neues. So war es mein ganzes Berufsleben lang.
Da bleibt mir, mit einem Augenzwinkern, nur noch eines zu sagen: Ein Elektriker, der lebend in Pension geht, der war entweder nie richtig im Einsatz – oder er war wirklich gut.
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