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Einmal Chefin

 

Ich stehe jeden Morgen um 4:30 Uhr auf. Nach dem Frühstück – mein Marmeladenbrot zum Kaffee gehört immer dazu – mache ich mich für die Arbeit fertig. Um halb sechs bringt mich mein Sohn zur Arbeitsstelle und pünktlich um sechs beginnt der Tag. Seit 17 Jahren bin ich als Reinigungskraft in der industriellen Fertigung tätig und habe in dieser Zeit viele verschiedene Aufgaben übernommen.

 

Mein Arbeitstag startet im Sozialraum: Ich hole den Putzwagen, fülle den Geschirrspüler, wechsle Säcke, lege Zeitungen zusammen und wische Böden, Fenster und Tische. Manchmal müssen auch Spinnweben entfernt werden – zum Glück nicht immer. Ist alles sauber, schalte ich das Licht aus – der erste große Punkt auf meiner Tagesagenda ist erledigt. Dann gönne ich mir gelegentlich eine kurze Kaffeepause mit meinen Kolleginnen. Hier bin ich die Kaffeeköchin, was alle sehr schätzen.

 

Danach geht es weiter: die Reinigung der Toiletten. Zuerst die Herren, dann die Damen. Mit speziellen Reinigungstüchern wische ich Fliesen, reinige die Toiletten, putze die Waschbecken und fülle das WC-Papier auf. So sieht meine Tagesstruktur im Großen und Ganzen aus.

 

Ich mag die Routinen meines Arbeitsalltags, doch ein ganz besonderer Tag ist mir bis heute in Erinnerung geblieben: der »Company Day«, bei dem die Führungskräfte gemeinsam mit den operativen Arbeitskräften arbeiten. An jenem Morgen im Juni kam meine Chefin, Frau Brigitte, zu mir, um für den gemeinsamen Vormittag mein Lehrling zu sein. 

 

Geplant war die Reinigung der Öfen. Wie üblich zogen wir uns zuerst Arbeitskleidung, Sicherheitsschuhe und Handschuhe an – das ist bei uns Pflicht. Dann ging es in den Ofenraum. Schon beim Betreten stieg uns die Hitze entgegen, denn in diesem Raum hat es rund 40 Grad. Schnell wurde klar, dass ein harter Tag vor uns lag. Ich erklärte meinem Lehrling alles, was zu tun war. Besonders wichtig war, die Sensoren nicht zu berühren, denn sonst würde ein Alarm ausgelöst und der Vorarbeiter gerufen werden. 

 

Pommer Irmgard
Reinigungskraft
ISS Österreich
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Dann legten wir los: Mit speziellen Tüchern wischten wir den Staub fort, der sich auf den Oberflächen rund um die blauen Öfen gesammelt hatte. Bald waren unsere Gesichter vor Anstrengung rot und der Schweiß stand uns auf der Stirn. Die Böden des Ofens wurden mit dem feuchten Mopp sauber gemacht, dabei kam die Moppstange zum Einsatz. Dann war der erste Ofen geschafft. Wir waren durstig und holten uns etwas zu trinken, aber ich trieb zur Eile an: »Wir müssen schnell weitermachen, wir haben noch einiges vor uns.« Schließlich gingen wir den zweiten Ofen an. 

 

Nach getaner Arbeit wartete ein Fotograf auf uns, um ein Foto zu machen. Mein Lehrling war fleißig, und trotz der Hitze waren wir stolz auf das Ergebnis. Alles wurde wieder zusammengeräumt: die Mopps gereinigt, die Öltücher entsorgt, der Putzwagen zurückgestellt.

 

Am Nachmittag erwartete uns ein leckeres gemeinsames Essen in der Kantine. Es schmeckte nach dieser anstrengenden, aber erfüllenden Arbeit besonders gut. Für mich war es ein besonders schöner Tag, denn es entstand eine Freundschaft zwischen mir und meinem »Lehrling«, der eigentlich meine Führungskraft war – und es hat mir großen Spaß gemacht, für einen kurzen Moment die Rollen tauschen zu dürfen. 

"Seit 17 Jahren bin ich als Reinigungskraft in der industriellen Fertigung tätig und habe in dieser Zeit viele verschiedene Aufgaben übernommen."

Über die Autorin

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Pommer Irmgard

Reinigungskraft

Irmgard Pommer ist seit 2009 Teil von ISS Österreich. Als Reinigungskraft bringt sie  Genauigkeit, Routine und ein starkes Gefühl für saubere Abläufe in den Arbeitsalltag ein.  Ihre Kollegialität und Hilfsbereitschaft wurden auch beim Rollentausch im Rahmen des ISS Company Day sichtbar.