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Also entschied ich mich dafür, die Branche nicht vom Büro, sondern von der Basis aus verstehen und kennenzulernen. Ich begleitete Mitarbeiter:innen an ihrem Arbeitsplatz, lernte Abläufe, Menschen und ihre Herausforderungen kennen – und merkte rasch, was fehlte: Wissen, Weiterentwicklung, Sicherheit im Tun. Mein Motto war damit schnell definiert: Der Erfolg der Mitarbeiter:innen ist auch mein Erfolg.
Eines Tages sagte dann eine Kollegin zu mir: »Brigitte, du musst nicht immer alles selbst machen, du bringst dich noch um! Gib mir mehr Aufgaben, zeig mir, wie es geht!« Sie war ein echtes Geschenk. Ich förderte sie gezielt, übertrug ihr Verantwortung und gemeinsam setzten wir HR-Themen um, die von der Belegschaft plötzlich nicht mehr als störend, sondern als wertvolle Unterstützung wahrgenommen wurden.
Ich führte unzählige Gespräche mit Führungskräften, hörte ihnen aufmerksam zu, motivierte und stärkte sie. Wir förderten gemeinsam die Entwicklung unserer Mitarbeiter:innen und etablierten nachhaltige Strukturen. Nach und nach verbesserte sich die Stimmung und HR wurde auch außerhalb unserer Abteilung spürbar. Natürlich stieß nicht jede Idee sofort auf Begeisterung, es gab auch Tränen, Zweifel und viele Diskussionen. Aufgeben war für mich aber nie eine Option. Selbst der Kollege, der mich anfangs nur als »Kostenfaktor« gesehen hatte, erkannte schließlich, dass HR echten Mehrwert schafft.
2010 folgte ein Moment, den ich nie vergessen werde: Ich erhielt von unserem CEO als einzige Person im Unternehmen einen Special Award. Das war der erste große Beweis dafür, dass die HR-Arbeit nicht nur wahrgenommen, sondern auch wertgeschätzt wurde. Mein Chef sagte zu mir: »Jetzt hast du dir durch deine Leistung mein Vertrauen erarbeitet!«
Mit der Zeit wuchs meine Verantwortung, es kamen mehr Regionen, mehr Menschen dazu, aber wir erzielten auch mehr Wirkung. 2019 übernahm ich dann die österreichweite Verantwortung für den operativen HR-Bereich. Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, eignete ich mir neue Methoden an, interviewte weitere Führungskräfte und lernte viel Neues von meinem wichtigsten Mentor: meinem Mann.
Meine Erfahrung aus mehr als zehn Jahren bei ISS, mein aufgebautes Wissen und das gewachsene Vertrauen ermöglichten es mir, 2020 kurzfristig die interimistische Leitung als Director People & Culture zu übernehmen. Die Zusammenarbeit mit dem Leadership-Team war neu und herausfordernd für mich, zugleich aber auch unglaublich spannend – eine weitere Phase intensiven Lernens. Dabei erfuhr ich auch viel über mich selbst. Nach zweieinhalb Jahren folgte ich dann schließlich meinem Herzen und meiner Leidenschaft für die Organisationsentwicklung und für die operative Arbeit mit Menschen.
Das Ergebnis all dieser Jahre kann sich sehen lassen. Ein Team, das mit Leidenschaft und Kompetenz begeistert. 2024 wurden wir dafür mit dem Culture Award ausgezeichnet.
Heute bin ich dankbar. Für das Vertrauen der Menschen, die mich begleitet haben, und für den Mut, immer wieder an mein Potenzial zu glauben. Und eines weiß ich jetzt ganz sicher: Erfolg braucht keinen Studienabschluss und schon gar keinen Titel.
Ach ja, und das französische Seidenkleid? Ich habe es schlussendlich getragen, mit unfassbarem Stolz. Heute hängt es sorgfältig verpackt in meinem Schrank. Nicht, weil ich es noch einmal anziehen möchte, sondern weil es mich daran erinnert, dass das Erreichen großer Ziele manchmal mit kleinen Träumen beginnt.
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