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Mein Ausbildner war humorvoll, geduldig und nahm sich viel Zeit für mich. Zum ersten Mal im Leben machte mir die Arbeit richtig Spaß. Wir verstanden uns sehr gut und mein Interesse an der Elektrotechnik wuchs spürbar. Durch die Freude an der Arbeit selbst, meine Zuverlässigkeit und meine genaue Arbeitsweise konnte ich mir Schritt für Schritt einen guten Ruf aufbauen. Zudem waren meine Leistungen in der Berufsschule sehr gut, was mir zusätzliches Selbstvertrauen gab.
Als ich dann im zweiten Lehrjahr war, kündigte ein Kollege, der als Störungstechniker gearbeitet hatte. Da ich ihn öfter begleitet hatte, wurde mir angeboten, seine Rolle zu übernehmen. Für mich war das eine große Chance, denn es bedeutete mehr Verantwortung, aber auch sehr viel Vertrauen in meine Fähigkeiten. Und so war ich als Störungstechniker plötzlich für komplexe Anlagen verantwortlich. Wir kümmerten uns um Schleusensteuerungen, Aufzüge und automatische Türen. Die Arbeit war anspruchsvoll und manchmal auch körperlich belastend. Es gab Tage, an denen ich bei minus 30 Grad Celsius im Eishaus arbeiten musste. Trotzdem war ich zufrieden, weil ich ganz klar spürte, dass ich und meine Arbeit gebraucht wurden.
Im Oktober stand dann meine Lehrabschlussprüfung an. Es war zwar ein grauer, regnerischer Morgen, aber innerlich war ich sehr entschlossen. Zwei intensive Tage später hielt ich meine Auszeichnung als Elektro- und Gebäudetechniker in den Händen, ein Moment, der mir bis heute sehr viel bedeutet. Meine Familie, meine Kolleg:innen und meine Vorgesetzten waren stolz auf mich und ich war es auch.
Nach meiner Lehrzeit erhielt ich einen fixen Arbeitsvertrag und blieb weiterhin bei meinem Kunden im Einsatz. Kurz darauf absolvierte ich meinen Zivildienst als Rettungssanitäter. Finanziell war das keine einfache Zeit, aber menschlich unglaublich wertvoll für mich. Ich lernte dort, in brenzligen Situationen ruhig zu bleiben und Verantwortung für andere Menschen zu übernehmen. Auch darum kehrte ich nach dem Zivildienst motiviert zurück zu meiner Arbeit. Und es sollte spannend bleiben: Ich bekam meine ersten eigenen Projekte, zum Beispiel den E-Befund in der alten Zentrale, damit das Gebäude ordnungsgemäß an den Besitzer zurückgegeben werden konnte, und merkte, dass ich mehr wollte. Ich wollte mich weiterentwickeln, wachsen und Verantwortung übernehmen. Also sprach ich offen mit meinem Vorgesetzten darüber.
Wenig später bot er mir an, einen neuen Service zu übernehmen. Zuerst war ich unsicher, weil es ein völlig neues Aufgabengebiet war. Doch ich entschied mich bewusst dafür, meine Komfortzone zu verlassen.
Am 1. August 2024 begann ich im Ersatzteilmanagement. Die Umstellung war herausfordernd. Plötzlich ging es nicht mehr nur um Technik, sondern auch um Organisation, Planung und Struktur. Ich war für Ersatzteile verantwortlich, für Bestellungen, Lagerverwaltung und die Vorbereitung von Arbeitsaufträgen. In dieser Zeit wechselte ich auch vom Arbeiter- in das Angestelltenverhältnis.
Dann kam eine schwierige Phase. Ein Rohr platzte im Lager und giftige Flüssigkeit beschädigte viele Ersatzteile. Dieses Ereignis forderte mich enorm, weil ich das gesamte Equipment umlagern musste. Doch genau in dieser Situation wuchs ich über mich hinaus. Ich lernte, Probleme strukturiert zu lösen und Verantwortung vollständig zu übernehmen. Das positive Feedback des Kunden bestätigte mir, dass ich auf dem richtigen Weg war.
Ende des Jahres wurde entschieden, dass rund um mich ein eigenes Team aufgebaut werden sollte. Ich übernahm weitere Fachbereiche und stieg zum Supervisor auf. Zum ersten Mal führte ich Bewerbungsgespräche und durfte mein eigenes Team zusammenstellen. Dabei achtete ich nicht nur auf fachliche Fähigkeiten, sondern vor allem auf Persönlichkeit und Teamgeist.
Heute bin ich sehr stolz auf mein Team. Jeder bringt unterschiedliche Stärken mit und genau dadurch ergänzen wir einander perfekt. Wir unterstützen uns gegenseitig, springen füreinander ein und halten zusammen. Gemeinsam sind wir vollständig. Gemeinsam schaffen wir jede Herausforderung.
Mit der Zeit wuchs der Service weiter und auch meine Verantwortung nahm zu. Schließlich übernahm ich die Rolle des Technischen Betriebsführers.
Wenn ich heute zurückblicke, sehe ich einen jungen Menschen, der unsicher begonnen hat und Schritt für Schritt gewachsen ist. Ich habe mich fachlich entwickelt, aber vor allem persönlich. Auch privat hat sich mein Leben verändert. Ich habe meinen Weg als junger Mann begonnen und heute bin ich Vater von wunderschönen Zwillingen.
Meine Geschichte soll zeigen, dass Rückschläge nicht das Ende sind. Man muss nicht perfekt starten, um erfolgreich zu werden. Man muss nur bereit sein weiterzugehen, Vertrauen zulassen und an sich selbst glauben.
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