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Aber welche Anforderungen mussten die vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen erfüllen? FFP2 oder doch lieber FFP3? Was war der Unterschied? Was war der Vorteil? Die Vorschriften und Regeln änderten sich gefühlt täglich. Eine neue Information wurde über die Nachrichten verbreitet und schon suchten wir nach den entsprechenden Lösungen. Welcher Lieferant lagerte was? Wie sah die Versorgungskette dahinter aus? War eine kontinuierliche Versorgung sichergestellt? Viele Fragen, mit denen sich auch unsere Lieferanten bisher noch nicht beschäftigt hatten. Es war Chaos pur.
Dann wurde der erste Lockdown verhängt. Unsere Reinigungskräfte mussten aber dennoch ihren Job machen. Nun zeigte sich auch, wie essenziell die Arbeit einer Reinigungskraft ist. Ohne Reinigung kein Betrieb. Wer sein Büro oder Geschäft weiter betreiben wollte, musste die entsprechenden Hygienemaßnahmen der Bundesregierung, der WHO und des Robert Koch Instituts einhalten. Doch bekanntlich verderben viele Köche den Brei, es entstand noch mehr Chaos. Mein Kollege und ich mussten Lösungen finden, wo es noch keine gab. Das Gesetz gab vor, dass der Arbeitgeber seinen Arbeitnehmer:innen die Schutzausrüstung zur Verfügung stellen musste, die sie zur Erledigung ihrer Arbeit benötigten. Also galt für uns: Ohne Masken darf keine:r unserer 7.000 Kolleg:innen den Job verrichten. Wir mussten Masken zur Verfügung stellen, obwohl es keine am Markt gab, weil die weltweiten Lieferketten zusammenbrachen. Doch damit nicht genug: Um unsere Kundenbetriebe halbwegs aufrechtzuerhalten, mussten alle Flächen großzügig und regelmäßig desinfiziert werden. Schließlich wurde auch das Desinfektionsmittel knapp. Wie auf einem Viehmarkt stiegen die Preise in die Höhe, während jeder versuchte, seinen Betrieb am Laufen zu halten und einen völligen Umsatzeinbruch zu verhindern.
Unsere Service Manager standen Schlange in unserem umgebauten Kellerbüro. Kistenweise stapelte sich das benötigte Material. Wir kamen uns vor wie Goldhändler, die die heißeste Ware am Markt beschützen und rationieren mussten. Die benötigten Mengen wurden aber immer größer. Als Dienstleister sollten wir nun auch unseren Kunden Schutzmasken verkaufen. Aber wie sollte das gehen, wenn wir doch selbst jede einzelne für unsere Mitarbeiter:innen brauchten?
Wir waren nur noch eine Handvoll Menschen im Büro. Alles war leer und still. Eine Geisterstimmung lag in der Luft. Die meisten waren in Kurzarbeit und zu Hause. Außer wir. Wir besprachen jeden Tag die neuen Informationen und Regeln der Regierung. Welcher Kunde benötigte welche Ware von uns? Wie konnten wir all diese Wünsche und Anforderungen erfüllen? Jeder Tag war eine einzige Herausforderung für uns alle. Wir telefonierten rund um die Uhr, um auf die aktuellen Nachrichten und möglichen Lockdowns schnellstmöglich reagieren zu können. Wir mussten schnelle Entscheidungen treffen, die Kosten waren nicht mehr das Wichtigste, vor allem musste die Versorgung weitestmöglich sichergestellt werden.
Wir bauten unser Kellerbüro, eine ehemalige Werkstatt, weiter um, um in der Auftragsabwicklung noch effizienter zu werden und mehr Lagerfläche für unser Material zu schaffen. Nachdem kein handliches Desinfektionsmittel mehr auf dem Markt verfügbar war, bestellten wir 1.000-Liter-Fässer und füllten sie selbst in kleine Flaschen um. Wir druckten die Etiketten, beklebten die Flaschen und stellten eigene Kits mit den wichtigsten Materialien für unsere Kolleg:innen zusammen. Wir waren ein großartiges Team und die operativ tätigen Kollegen waren wirklich dankbar für unsere Arbeit. Und so verbrachten wir Wochen und Monate, ohne zu wissen, welche neue Herausforderung morgen auf uns warten würde.
Schon lange schauten wir bei unserer Arbeit nicht mehr auf die Uhr. Zeitweise wussten wir beide nicht mehr, welcher Wochentag oder welches Datum eigentlich war. Wir arbeiteten uns in einen Flow. Wichtig war, den Kolleg:innen bestmöglich zu helfen und vermeintlich unmögliche Dinge möglich zu machen. Und das taten wir. Die Grundaufgabe einer Einkaufsabteilung – die richtigen Produkte zur richtigen Zeit, am richtigen Ort und zu den bestmöglichen Konditionen zur Verfügung zu stellen – erfüllten wir mit Freude, auch wenn wir mit 70 bis 80 Wochenstunden langsam an unsere Grenzen kamen. Es gab aber schlicht keine Zeit für eine Pause, am Sonntag kam schon der nächste Lkw mit Schutzmasken zu uns ins Lager. Wir mussten vor Ort sein, weil es kein anderer konnte oder per Verordnung durfte.
Irgendwann verringerten sich die offiziellen Fallzahlen, die täglich über die Medien kommuniziert wurden. Die Infektionen wurden weniger, die Schutzmaßnahmen, Regeln und Vorschriften weiter gelockert. Es sah so aus, als hätten wir den Höhepunkt der Pandemie hinter uns. Es war Zeit, anzustoßen. Anzustoßen auf eine absolut herausfordernde Phase. Darauf, dass wir vom Virus verschont geblieben waren und keine Reinigungskraft ihren Job hatte unterbrechen müssen, weil es kein Material gab. Wir hatten das Bestmögliche aus der Situation gemacht. Wir hielten zusammen, unabhängig davon, wer welche Art von Hilfe und Unterstützung benötigte. Wir waren für alle da, mit vollstem Einsatz für das Unternehmen und Menschen, für die wir uns entschieden hatten.
Die letzte Phase der Pandemie war geprägt von Gedanken wie: Wann kommt die nächste Krise? Wie können wir uns darauf vorbereiten und was können wir besser machen? Jede Krise ist auch eine Chance. Wenn wir sie nutzen, können wir auch das nächste Mal unseren Job gut machen und gestärkt daraus hervorgehen. Covid hat uns gezeigt: Wo ein Wille – da ein Weg. Auch ohne Vorerfahrung. Und vor allem: Zusammen können wir alles schaffen!
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